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Auricher Wissenschaftstage –
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Berichte von der „Polarstern“ (Tag 1 und 2)

TAG 1

Stapellauf für das Schwimmende Klassenzimmer

Auch eine Reise von 10.000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt, besagt ein Sprichwort. Unseren ersten Schritt dieser aufregenden Expedition taten wir Polarreisenden, Fadi, Katharina, Mareike und Markus am 21. Januar auf dem Bahnhof von Emden, Ostfriesland. Sage und schreibe 36 Stunden später, hinter uns lagen Zwischenstopps in Madrid und der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile, befanden wir uns am „Fines Terrae“, also am Ende der Welt. Jedenfalls versprach uns dies der verheißungsvolle Name des Hotels in Punta Arenas, in dem wir unsere letzte Nacht an Land für die nächsten vier Wochen verbringen sollten. In Erinnerung wird uns ohne Zweifel der Umgang mit den verschiedenen Währungen bleiben: Während der chilenische Peso, ebenso wie der amerikanische Dollar als Zahlungsmittel akzeptiert wurden, schien die Nachricht von der Einführung des Euros noch nicht bis in jene südlichen Breitengrade vorgedrungen zu sein. Man nehme lieber die deutsche Mark an, hieß es mancherorts und auch widerwillig angenommene Euros wurde unter der gesamten Belegschaft herumgereicht.

Vor dem Schiff, 16 k

Es kann losgehen

Am Vormittag des 23. Januar wurden wir und die anderen Wissenschaftler von einem Bus abgeholt, der uns zum Hafen bringen würde. Schon von Weitem sah man die orangenen Schornsteine und die riesigen Kräne der 120 Meter langen Polarstern. Nachdem wir unsere überraschend geräumigen Außenkabinen bezogen und unsere Seesäcke ausgepackt hatten, wurde im Speisesaal, der sogenannten Messe, das erste Essen im großen Kreis serviert. Was wir auf unseren Tellern vorfanden, ließ unsere Geschmacksnerven den kommenden Wochen zuversichtlich entgegenblicken. Insider berichteten, dass uns eine rapide Gewichtszunahme bevorstehen würde und empfahlen uns, regen Gebrauch von dem Schwimmbad und dem Fitnessraum zu machen. So soll es in Kooperation mit einem weltweit durch Monica Lewinsky bekannten Diät-Konzerns sogar eine Wette um Gewichtszu- oder abnahme geben, munkelt man an Bord.

Auf dem Schiff, 27 k

Markus, Katharina, Mareike und Fadi (v.l.) stechen in See

Da das Wetter herrlich war, nutzten wir die Stunden vor dem Ablegen für ein ausgiebiges Foto-Shooting. In Sparsamkeit mussten wir uns dabei nicht üben: Auf Rat der Antarktis-Erfahrenen hat jeder von uns mehr als 25 Filme in der Hinterhand, die wir in den nächsten Wochen mit Bildern von Eisbergen, Pinguinen und Seeelefanten zu füllen hoffen.

Bis zum Auslaufen um 17.00 Uhr hatten wir außerdem bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeit, erste Kontakte zu den Wissenschaftlern, insbesondere unseren Projektleitern, und der Crew des Eisbrechers zu knüpfen, mit denen wir die folgenden vier Wochen durch dick und dünn gehen werden. Dabei gab es eine faustdicke Überraschung: So fanden wir heraus, dass es noch einen weiteren Schüler des Gymnasiums Ulricianum Aurich an Bord gab, wenn es sich hierbei auch um einen ehemaligen handelt: Rainer Strüfing, der langjährige Bordmeterologe der Polarstern, hatte Jahre zuvor die gleichen Schulbänke im hohen Norden gedrückt wie wir. Auch den Schiffsarzt lernten wir auf unserer Erkundungstour kennen, in der innigen Hoffnung nicht allzu bald auf Grund von Seekrankheit oder anderen Wehwechen an seine Tür klopfen zu müssen.

Des Weiteren warfen wir erste Blicke auf die teilweise abenteuerlich aussehenden Arbeitsgeräte der Wissenschaftler, die aus aller Herren Länder stammen und entweder Schiffszeit gebucht haben oder an Projekten in Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, dem Besitzer des Schiffes, teilnehmen.

Schließlich war es dann so weit: Das Auslaufen, das „Durchtrennen der Nabelschnur“, wie ein Wissenschaftler kommentierte, verlief bei strahlend blauen Himmel und ruhiger See ohne Komplikationen. Und in diesen momenten verlassen wir die Magellan-Straße in Richtung antarktische Gewässer. Zugegeben: Noch bereitet es uns gelegentlich Schwierigkeiten unsere Kabinen in diesem Sammelsurium von Treppen und Gängen wiederzufinden, aber wir sind zuversichtlich, dass sich das ändern wird. Schließlich ist die Zeit auf unserer Seite.

TAG 2

Erste Bekanntschaft mit der Reling

Der heutige Tag begann um 9.00 Uhr mit einem Briefing im sogenannten Kinoraum auf dem C-Deck. Dieses Zusammentreffen aller Wissenschaftler wird in den nächsten fünf Wochen jeden Morgen nach dem Frühstück stattfinden. Im Allgemeinen werden die Forschungsteams von ihren Untersuchungen und Ergebnissen berichten. Heute wurden wir jedoch nur von den diensthabenden Offizieren begrüßt und über Regularien, wie z. B. Abfallentsorgung, Essenszeiten und Verhaltensregeln an Bord in Kenntnis gesetzt. Zu beachten ist nämlich unter anderem, dass grundsätzlich alle Türen der Wohnräume auf dem Eisbrecher geöffnet sind, es sei denn, man möchte nicht gestört werden.

Markus, 16 k

Markus

Der Höhepunkt dieses Zusammentreffens war der Probealarm, sieben Mal kurz, ein Mal lang. Beim Ertönen dieses Signals sollte sich jeder möglichst sofort in warmer Kleidung, samt Schwimmweste und eventuell ein paar Flaschen Wasser auf dem Helikopterdeck einfinden. Vorerst reichte es jedoch aus, unsere Schwimmweste anzuprobieren und den Sicherheitsinstruktionen eines Offiziers zu folgen. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass wir dieses Signal vor dem 26. Februar nicht noch einmal zu hören.

Mareike, 15 k

Mareike

Um 13.30 Uhr hatten Markus, Mareike und Katharina die Möglichkeit eine Tiefseekamera mit dem Wissenschaftler Robert Diaz aufzubauen. Die sogenannte „Sip" ermöglicht, durch verschiedene Aufnahmen von Bodensedimenten in bis zu 5.000 Metern Tiefe Rückschlüsse auf die Populationen unterschiedlicher Organismen zu ziehen.

Diese Aufgabe zog sich jedoch ungewollt in die Länge, weil Markus eine Schraube fallen ließ, so dass die drei Schüler auf allen Vieren über das Arbeitsdeck krabbeln mussten, um nach diesem kleinen silberfarbigem „Etwas" zu suchen. Diese Schraube war nämlich ein existentieller Bestandteil der Kamera. Der aufkommende Seegang nach einer Wendung des Forschungsschiffes sorgte für erschwerte Bedingungen, da Markus sich auf Grund verstärkter Aktivitäten seines Magens nicht mehr in der Lage sah, sein Missgeschick zu beheben und sich schnellen Schrittes Richtung Reling begab.

Katharina, 15 k

Katharina

Obwohl die Kamera bis jetzt nur in ihren Einzelteilen vorliegt, war Mareike sofort fasziniert von dem Gerät und entschloss sich, während dieses Fahrtabschnittes an dem Projekt von Robert Diaz mitzuarbeiten. Sie musste sich einer neuen Arbeitsgruppe anschließen, da Prof. Joseph Eastman, dem sie theoretisch über die Schulter schauen wollte, kurzfristig krank geworden ist und nicht an der Expedition teilnehmen kann.

Fadi, 15 k

Fadi

Am Ende dieses Tages konnte Markus jedoch noch einen Erfolg auf seiner Liste verbuchen. Er hat den vielbeschäftigten und fachkundigen Systemmanager der Polarstern dazu gebracht, unsere Laptops zu vernetzten bzw. ein Programm namens „Eudora" zu installieren, welches uns ermöglicht, unsere E-mails abzurufen. Da fiel die kleine Schraube nicht weiter derart schwer ins Gewicht, wenn man bedenkt, dass laut Robert Diaz angeblich schon vorher einige gefehlt hatte.

[Zu Tag 3 liegt kein Bericht vor.]

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