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Auricher Wissenschaftstage –
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Artikel der Ostfriesischen Nachrichten vom 13. Februar 2019, S. 4 [1]

Chancen und Gefahren künstlicher Intelligenz

Professor Frank Kirchner sprach bei den Auricher Wissenschaftstagen im ausverkauften Haus der Sparkasse

Von Joachim Mittelstaedt

Foto von Professor Dr. Frank Kirchner auf der Eröffnungsveranstaltung der 29. Auricher Wissenschaftstage 2019, 28 k

Lars Ippen (von links), Martin Tienken und Professor Frank Kirchner in­for­mier­ten über künstliche Intelligenz. (Foto: Mittelstaedt)

Aurich. Intelligente Robotersysteme, vernetzte Logistik, autonome Maschinen und künstliche Intelligenz werden die Menschen künftig bei ihren Tätigkeiten unterstützen. Die technologischen Entwicklungen eröffnen viele Chancen, bergen aber auch Gefahren. Darüber sprach Professor Frank Kirchner vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (KI) in Bremen am Montag auf der Eröffnungsveranstaltung der 29. Auricher Wissenschaftstage. Die Veranstaltung fand im voll besetzten Foyer der Sparkasse Aurich-Norden statt. Die Veranstaltung wurde von Björn Thümler, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, eröffnet. Der Politiker sagte: „KI ist Teil unserer real gewordenen Welt.“ Aus seiner Sicht stehe man damit an einem Wendepunkt der Geschichte. Notwendig sei ein breiter gesellschaftlicher Dialog. Denn die künstliche Intelligenz habe Potenzial, um Nutzen zu stiften, beinhalte aber auch Gefahren.

In Niedersachsen sei man dabei, Zukunftslabore für KI aufzubauen. Und auch der Aufbau von Professuren für den Bereich „Ethik der künstlichen Intelligenz“ sei in Arbeit. Er freue sich sehr darüber, dass mit den Auricher Wissenschaftstagen immer wieder „die Schüler in die Lage versetzt werden, Erfahrungen zu sammeln.“ Die kamen dann auch auf die Bühne. Lars Ippen vom Ulricianum und Martin Tienken, BBS I, hatten die Gelegenheit, am „Robotics Innovation Center“ in Bremen zu hospitieren. Begeistert berichteten die beiden Schüler von ihren Erfahrungen. Für sie sei schon jetzt klar, dass sie Elektrotechnik (Ippen) beziehungsweise Wirtschaftsinformatik (Tienken) studieren werden.

Für den Hauptvortrag zum Thema hatten die Organisatoren Professor Dr. Dr. h.c. Frank Kirchner eingeladen. Kirchner leitet seit 2005 am Bremer Forschungszentrum für künstliche Intelligenz die Abteilung Robotik.

Der Standort gehört zum „Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz“. Es ist das weltweit größte Forschungszentrum auf diesem Gebiet. An seinem Institut entwickeln Wissenschaftler mobile Robotersysteme, die an Land, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum für komplexe Aufgaben eingesetzt werden. So könne man Roboter etwa zur Wartung von Pipelines unter Wasser oder der Fundamente von Windkraftanlagen im Meer nutzen.

Die Komplexität technischer Entwicklungen steige ständig, so Kirchner. Das könnten Menschenmit ihren Möglichkeiten und Denkleistungen oft nicht mehr erfassen. Schon immer arbeite man in der KI-Forschung daher interdisziplinär. Und nicht alles in diesem Bereich sei berechenbar. Um beispielsweise komplexe Bewegungen von Robotern zu steuern, müsse man auf lernende Systeme und damit KI zurückgreifen, um hier weiterzukommen Man brauche Roboter, die sich Verhalten und Handlungen von Menschen abschauen können und diese lernend übernehmen. Fragen der Ethik bei diesen Entwicklungen streifte Frank Kirchner nur am Rande. Der Professor richtete einen Appell an die zahlreich anwesenden Politiker: „Sparen sie überall, aber nie an Bildung und Wissenschaft.“ Er sei im Hinblick auf die Entwicklungen in der Welt zuversichtlich. Vieles sei im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte durch technische und wissenschaftliche Veränderungen besser geworden. Kirchner begrüßte, dass die Bundesregierung in den nächsten Jahren drei Milliarden Euro in diesen Bereich investieren will. Und in Richtung der Schüler sagte der Wissenschaftler: „Ihr Jungen müsst dieses Wissen packen und für die Entwicklung in der Welt nutzen. Denn vor Dingen, die man versteht, braucht man keine Angst zu haben.“

Anmerkung

[1]

Eine E-Paper-Version des Artikels ist ebenfalls verfügbar.

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