Logo der Berufsbildenden Schulen 2 Aurich

Auricher Wissenschaftstage –
Forum einer dritten Kultur

Logo des Ulricianums

Artikel der Ostfriesischen Nachrichten vom 20. März 2018, S. 3 [1]

Ultraschnelle Bewegung in Echtzeit

Ultrakurzzeitphysiker erklärte in Aurich, dass die von ihm entwickelten Laser schon in Kliniken getestet werden

Foto von Prof. Dr. Ferenc Krausz in Aurich anlässlich seines Vortrages bei den 28. Auricher Wissenschaftstagen, 15 k

Professor Dr. Ferenc Krausz referierte zum Thema „Mikro­sko­pie in die vierte Dimension“. (Fo­to: Kahle)

Aurich. Professor Dr. Ferenc Krausz, der als Begründer des Fachgebiets „Attosekundenphysik“ gilt, hat unlängst im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage einen Vortrag zum Thema „Mikroskopie in die vierte Dimension“ gehalten und damit seinen Zuhörern im Foyer der BBS II bildhaft den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit (Weg pro Zeiteinheit) und Ort erklärt. Die Attosekundenphysik ist ein Arbeitsgebiet, in dem man die ultraschnellen Bewegungen von Elektronen in Echtzeit beobachten kann.

„Ob wir einen Gegenstand bewegt oder unbewegt wahrnehmen, hängt von der Dauer unserer Wahrnehmung ab. So benötige ich eine recht kurze Belichtungszeit, wenn ich einen Sportler oder ein Tier im Lauf abbilden möchte. Wenn es aber gelingt, die Belichtungszeit auf den Bereich von Attosekunden zu verkürzen, bin ich sogar in der Lage, die Bewegung von Elektronen innerhalb eines Moleküls zu dokumentieren“, erläuterte Krausz.

In der praktischen Anwendung ist diese Methode geeignet, geringste Konzentrationen von Molekülen, die zum Beispiel mit einer Krebserkrankung assoziiert sind, aufzuspüren. Damit ist diese Methode nach Worten des Professors auf dem Weg, eine bedeutende Früherkennungsmethode für Krebserkrankungen zu werden. Von Krausz entwickelte Laser werden bereits in Kliniken zur frühen Diagnose von Augen- und Krebskrankheiten getestet. „Die Fantasie der weiteren Anwendungsmöglichkeiten öffnet weite Horizonte“, sagte er.

Krausz ist Ultrakurzzeitphysiker am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er und sein Team entwickeln Hightech-Lasersysteme und erforschen damit den Mikrokosmos. Dabei erkunden die Wissenschaftler vor allem das Verhalten von Elektronen. Elektronen ändern ihren Aufenthaltsort innerhalb von Attosekunden, also in Milliardstel von milliardstel Sekunden.

Das Verständnis des Wechselspiels zwischen Elektronen und Licht ist ebenso wichtig, um die Elektronik der Zukunft um ein Vielfaches zu beschleunigen. Eine von Lichtwellen gesteuerte Elektronik könnte die Daten- und Kommunikationssysteme um den Faktor 100 000 schneller machen. Auch daran arbeitet das Team um Krausz. Zudem setzt das Team die neuen Ultrakurzpuls-Lasertechnologien in zukunftsweisenden medizinischen Anwendungen ein. Zusammen mit Medizinern, Biologen und Mathematikern entwickeln die Forscher eine Methode über Laserlicht, um Blutproben auf deren molekulare Zusammensetzung zu untersuchen. Damit könnte man bestimmte Krebserkrankungen in einem sehr frühen Stadium erkennen und mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich behandeln.

Geboren 1962 in Mór (Ungarn), studierte Krausz Elektrotechnik an der Technischen Universität Budapest und Theoretische Physik an der Eötvös-Loránd Universität in Budapest. 1991 promovierte er in Quantenelektronik an der Technischen Universität Wien, an der er nur zwei Jahre später auch habilitierte. 2003 folgte Professor Krausz dem Ruf als Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik, an dem er die Abteilung Attosekundenphysik leitet. Seit 2004 hat er einen Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Anmerkung

[1]

Eine E-Paper-Version des Artikels ist ebenfalls verfügbar.

[Zurück zum Text]

Neues | Seitenanfang