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Auricher Wissenschaftstage –
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Artikel der Ostfriesischen Nachrichten vom 9. November 2016, S. 6 [1]

Weihnachten beim Plastikmüll im Atlantik

Für Schülerin aus Aurich startet im Dezember Praktikum auf Forschungsschiff, das Abfallteppich untersucht

Von Karin Böhmer

Foto von Anna Frühling, 24 k

Anna Frühling geht auf große Forschungsfahrt. (Foto: Böh­mer)

Aurich. Weihnachten mitten auf dem Atlantik – was bei Schiffsbesatzungen eher unbeliebt ist, ist für Anna Frühling aus Aurich eine ganz große Chance. Die 17-jährige Schülerin des Gymnasiums Ulricianum Aurich wurde als Stipendiatin der Auricher Wissenschaftstage ausgewählt, um für fünf Wochen auf dem Forschungsschiff MS Meteor ozeanografische und meteorologische Daten zu erheben. Die Reise geht von Kapstadt in Südafrika zu den Falklandinseln vor der argentinischen Küste. Die Auswahl für dieses besondere Stipendium war bereits eine Fahrt durch schwere See: In mehreren Gesprächsrunden suchten sich die Organisatoren der Wissenschaftstage aus mehr als 20 Kandidaten Anna Frühling aus.

Die 17-Jährige bringt laut Claudia Groen von den Wissenschaftstagen die Schulnoten mit, um kurz vor dem Abitur den Stoff von fünf Wochen kurzfristig n achzuholen. Dass sie selbstständig lernen kann, hat Frühling schon bewiesen, als sie im vergangenen Jahr für drei Monate ihren Vater in China besuchte. Der arbeitet für drei Jahre in Peking bei VW. Während die Familie ihm für ein Vierteljahr nachreiste, besuchte Anna Frühling zwar die Schule der Deutschen Botschaft – doch einiges war nach der Rückkehr noch aufzuholen. Hinzu komme, so Groen, dass Frühling klare Vorstellungen gehabt habe, was sie in diesem Praktikum erreichen wolle, gesundheitlich fit, teamfähig, offen und fähig sei, mit den rund 25 Wissenschaftlern auf Englisch zu kommunizieren.

Nach dem Auswahlverfahren und ein wenig Wartezeit geht es nun in die Vollen. Am 11. Dezember geht die Reise ab Hamburg los. Am 15. Dezember legt die Meteor in Kapstadt ab, es folgt Forschung im Drei-Schicht-Betrieb. Frühling wird dort voll eingebunden sein. Am 16. Januar kehrt sie nach Aurich zurück. Bis dahin muss sich die Schülerin noch impfen lassen und Formulare ausfüllen. Unter anderem müssen ihre Eltern das Sorgerecht für die Dauer der Reise auf den Leiter der Fahrt, Prof. Martin Visbeck vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel Geomar übertragen, denn nicht überall dürfen 17-Jährige allein reisen.

Frühling denkt inzwischen immer öfter über das Abenteuer nach, das vor ihr liegt. Doch selbst die Trennung von der Familie über Weihnachten nimmt sie in Kauf. Die 17-Jährige kann sich gut vorstellen, im kommenden Herbst ein Ozeanografie- oder Geophysikstudium aufzunehmen. Seit Jahren interessiere sie sich besonders für die Meere und deren zunehmende Vermüllung, sagt sie. Deshalb ist Frühling froh, dass sich voraussichtlich in diesem Bereich ihr Forschungsschwerpunkt befinden wird. Die Forscher werden unter anderem die Verschmutzung des südlichen Atlantik untersuchen. Heute erfährt die Auricherin Details in einer Online-Konferenz mit einigen Wissenschaftlern.

Zu verdanken hat Anna Frühling ihre „Riesenchance“, wie sie sie selber nennt, auch Dirk Janssen von Elektrotechnik Rolf Janssen in Aurich. Janssen, der 5000 Euro zu der teuren Reise zuschießt, hat mehrere Gründe für die Förderung. Zum einen produziert sein Unternehmen Bordelektronik für Schiffe. Zum anderen ist Janssen daran gelegen, Frauen in den Naturwissenschaften zu fördern. An den Bewerbungen für sein Unternehmen habe er festgestellt, dass das Interesse immer noch viel zu klein sei. Dabei würden Frauen in technischen Berufen dringend gebraucht, so Janssen. Daher hofft er, dass Anna Frühling nach ihrer Rückkehr auf dem Schulhof andere Mädchen für Wissenschaft begeistern wird. Respekt hat er schon vor ihrem Schritt: Von eigenen Schiffsreisen weiß Janssen: Die See ist rau und das Leben an Bord eines Schiffes anstrengend.

Anmerkung

[1]

Eine E-Paper-Version des Artikels ist ebenfalls verfügbar.

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